Der Lungen-Enzian ist ein bis ca. 40 cm hohes mehrjähriges Kraut mit schmalen, lineal-lanzettlichen Blättern und 4 bis 5 cm langen trichterförmigen Blüten. Diese sind in tief azurblauer Farbe, mit fünf grünen Streifen auf der Innenseite versehen. An jedem Stängel können eine oder mehrere Blüten wachsen. Er blüht von Juli bis September.
Man sagt dem Lungen-Enzian eine Heilwirkung gegenüber Lungenkrankheiten nach, daher der Name. Auch der wissenschaftliche Name Gentiana pneumonanthe beinhaltet diese Annahme. Pneumonanthe bedeutet so viel wie „Lungenblüte“, der Gattungsname Gentiana leitet sich vom illyrischen König Gentis ab, der Enzian – allerdings den Gelben Enzian – sogar zur Behandlung der Pest empfahl.
Andere Namen für den Lungen-Enzian sind: Blauglocken, Biekerbleomen, Königsbloom, Lungenblume, Kiweitsblome, Hungerkraut oder Wiesenenzian.
Die Pflanze ist in wechselfeuchten Moorwiesen anzutreffen. Durch die Intensivierung der Grünlandnutzung bzw. die Entwässerung der ursprünglichen Lebensräume ist diese Pflanze in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Sie steht auf der Roten Liste seit 2018 nach Metzing et al. als „stark gefährdet“, da der Bestand immer weiter zurück gegangen ist. Der Lungen-Enzian ist aber noch im Hamburger Naturschutzgebiet Raakmoor zu finden.
Die Schmetterlingsart Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon, Syn.: Maculinea alcon), auch Kleiner Moorbläuling genannt, ist auf den Lungen-Enzian als wertvolle Futterquelle angewiesen. Die Weibchen legen Eier an die Außenseite der Kronblüten, woraus dann die Larven schlüpfen und die Pflanze als Futter nutzen. Wenn die Larven sich dann nach draußen gefressen haben, fallen sie auf dem Boden und werden von den Ameisen der Knotenameisen in das eigene Nest getragen. Dort werden sie von den Ameisen gefüttert, da die Larven einen Duft ausstoßen, die die Larven der Ameisen ebenfalls haben. Dort verpuppen sie sich dann und werden zu Schmetterlingen.
Da sein natürlicher Lebensraum unter anderem Moorwiesen sind, kann man ihn perfekt in einem Naturgarten oder feuchten Wiese anpflanzen. Aber am beliebtesten ist er im Steingarten. Man kann ihn mit Samen aussähen oder ein Rhizom, ein wurzelartiger Teil, der dicht über dem Boden wächst, abschneiden und wieder einpflanzen.
Wie oben bereits erwähnt wurde der Lungen-Enzian bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Aber aus den blauen Blüten lässt sich auch ein wunderschöner blauer Farbstoff gewinnen. Die Wurzeln enthalten bitter schmeckende Glycoside, eine organische chemische Verbindung, die kurzgefasst etwas mit Alkohol zu tun hat. Deshalb kann man daraus auch Enzianlikör machen.
Obwohl die Blume des Jahres erst seit 1980 gewählt wird, gab es bereits in der DDR eine Briefmarkenserie namens „Geschützte heimische Pflanzen“. Diese gab es nur in den Jahren 1966, 1969 und 1970 und umfasste nur 15 Pflanzen. Die erste Briefmarke in dieser Serie hatte den Lungen-Enzian als Motiv.