Initiative Wildnis in Deutschland

Mehr Wildnis in Deutschland – das ist das Ziel der 22 Naturschutzorganisationen, die sich in der Initiative Wildnis in Deutschland zusammengeschlossen haben. Die Loki Schmidt Stiftung ist Teil dieses Bündnisses und setzt sich für die Sicherung großer Wildnisflächen ein.

Die Initiative Wildnis in Deutschland

Großräumige Wildnis gibt es derzeit nur auf 0,62 Prozent der deutschen Landesfläche. Bis zum Jahr 2030 sollten es laut Nationaler Biodiversitätsstrategie zwei Prozent sein. Daher setzt sich die Initiative dafür ein, dass große, unzerschnittene Wildnisgebiete entwickelt und gesichert werden. Dabei wird ein konsequenter Wildnisansatz verfolgt. Dieser ergibt sich aus den Positionen, welche die 22 Naturschutzorganisationen abgestimmt haben: Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland.

Was ist Wildnis?

Wildnis charakterisiert Landschaftsteile, in denen natürliche Prozesse eigenständig, ergebnisoffen und dauerhaft ohne menschliche Steuerung ablaufen können. Wildnisgebiete finden sich in Deutschland in Nationalparks, Biosphärenreservaten, Naturschutzgebieten, in durch die Länder ausgewiesenen Naturwäldern oder auch auf Flächen von Naturschutzorganisationen. 

Um als Wildnisgebiet zu gelten, müssen mindestens folgende drei Kriterien erfüllt sein:

  • Die Natur kann sich ungesteuert entwickeln – ohne direkte Eingriffe des Menschen. Unbedingt notwendige Eingriffe sind auf ein Minimum reduziert (z. B. rechtliche Vorgaben, Schutz angrenzender Kulturlandschaft).
  • Das Gebiet muss eine zusammenhängende mindestens 1.000 Hektar große Fläche umfassen (für Auwälder, Küsten, Moore und Seen sind auch 500 Hektar ausreichend) oder als Nationalpark bzw. größere Kernzone eines UNESCO-Biosphärenreservats ausgewiesen sein.
  • Das Ziel der Wildnisentwicklung muss dauerhaft abgesichert sein (z. B. durch eine Ausweisung als Naturschutzgebiet oder eine Festschreibung im Grundbuch).

Warum ist Wildnis wichtig?

Wildnis leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt, zum Klima- und Hochwasserschutz, zu Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Naturerleben. Dabei sind insbesondere großflächige Wildnisgebiete wichtig, um natürlichen Prozessen ausreichend Raum zu geben und um die Wechselwirkungen mit der umliegenden Kulturlandschaft gering zu halten.


Sieben gute Gründe für mehr Wildnis in Deutschland

 

Klimaschutz: Wildnis hilft dem Klima

Gesunde Wälder, Moore und Auen wirken ausgleichend auf die extremen Wetterfolgen des Klimawandels und senken dauerhaft die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre. Sie geben Lebewesen Raum und Zeit, sich an neue Klimaverhältnisse anzupassen.

 

Naturkapital: Wildnis rechnet sich

Trinkwasser, Sauerstoff oder Pflanzenbestäubung – wir sind auf die Leistungen der Natur angewiesen. Wildnisgebiete beherbergen ein unersetzliches Vermögen.

 

Schatzkammer: Wildnis sichert biologische Vielfalt

Viele bedrohte Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen finden nur in Wildnisgebieten wichtige Lebens- und Rückzugsräume. Vernetzte Biotope erhöhen die Überlebenschancen auch für wandernde Arten.

 

Verantwortung: Wildnis ist unsere Aufgabe

Zu Recht fordern wir den Schutz tropischer Regenwälder oder afrikanischer Savannen. Doch ungesteuerte Natur müssen wir auch bei uns ermöglichen. Zwei Prozent der Landesfläche sollen es bis 2030 sein. So will es auch die Bundesregierung. Nicht viel im internationalen Vergleich. Das sollten wir schaffen. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel.

 

Wissen: Wildnis macht schlau

Wie passt sich Natur dem Klimawandel an? Welche Lösungen finden Tiere und Pflanzen in ihrer natürlichen Umwelt? Wildnis ist ein Eldorado für Forschende. Überlebenswichtige Konzepte für Land- und Forstwirtschaft sowie Hochwasser- und Klimaschutz können mit diesem Wissen entwickelt werden.

 

Erholung: Wildnis belebt

Je wilder die Natur ist, desto besser gefällt sie vielen Menschen. Wildnisgebiete bieten ein Gegengewicht zur stark genutzten Kulturlandschaft. Körper und Seele kommen zur Ruhe. Deshalb sind Wildnisgebiete weltweit beliebte Ausflugs- und Urlaubsziele und stärken damit ländliche Regionen.

 

Hochwasserschutz: Wildnis schützt Lebensraum

Überschwemmungen sind oft verheerend für Menschen, Wirtschaft und Infrastruktur. In wilden Flussauen ist Hochwasser willkommen. Dort hat das Wasser genug Platz und bewohnte Gebiete werden geschützt.


Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer

Die Loki Schmidt Stiftung hat im Ostvorland der hamburgischen Insel Neuwerk in der Elbmündung bereits vor mehreren Jahrzehnten eine 61 Hektar große Wildnisfläche gepachtet. Sie gehörte zu den ersten Flächen in dem Gebiet, die im Sinne des Naturschutzes betreut worden ist.

Neben einer großen Brandseeschwalbenkolonie brüten hier Rotschenkel und Austernfischer und finden im vorgelagerten Watt Nahrung. In den Salzwiesen blühen Strandastern und Strandflieder. Erdbeerklee und Laugenblume erfreuen die Besucher.


Wer ist Teil der Initiative Wildnis in Deutschland?

Im Jahr 2015 kam erstmals unter der Leitung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt 1858 e. V. eine Gruppe aus Naturschutzorganisationen als „Redaktionsgruppe Wildnis“ in Berlin zusammen. 2017 waren es bereits 16 Naturschutzorganisationen, die sich zur Initiative Wildnis in Deutschland zusammenschlossen. 2023 wurde das Wildnisbüro Deutschland in Berlin eingerichtet, zu dessen Aufgaben auch die Koordination der Initiative Wildnis in Deutschland gehört. 

Die Initiative ist heute ein Verbund aus 22 Naturschutzorganisationen: Bundesverband Beruflicher Naturschutz, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), BUNDstiftung, Deutsche Umwelthilfe, Deutsche Wildtier Stiftung, Dieter Mennekes Umweltstiftung, EuroNatur, Greenpeace e. V., Gregor Louisoder Umweltstiftung, GRÜNE LIGA Landesverband Berlin, Heinz Sielmann Stiftung, Loki Schmidt Stiftung, Michael Succow Stiftung, Naturschutzbund Deutschland (NABU), NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Nationale Naturlandschaften e. V., Naturstiftung David, Naturwald Akademie, Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung, Vogelschutz-Komitee e. V., WWF Deutschland, Zoologische Gesellschaft Frankfurt e. V.

 

10 Jahre Initiative Wildnis in Deutschland

2015 kam unter der Leitung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt 1858 e.V. eine Gruppe aus Naturschutzorganisationen zur Auftaktveranstaltung in Berlin zusammen. Welche Meilensteine seitdem erreicht werden konnten, erfahren Sie im Video und unter https://wildnisindeutschland.de/meilensteine/